Gestern gab es keinen Blogeintrag, denn es war
der Tag des Stromausfalls.
Ich dachte eigentlich, ich hätte mich einigermaßen gut darauf vorbereitet: Sämtliche Laptop- und Handy-Akkus waren geladen, alle Tiefkühlprodukte verbraucht und alle Geräte ausgesteckt, falls es beim Wiedereinschalten des Stroms zu einer Überspannung kommt.
Gestern früh schaffe ich es noch gerade rechtzeitig zu duschen, bevor die Wasserpumpe von normalem Betrieb auf Notstrom umgestellt wird.
Das läuft allerdings nicht ganz so reibungslos wie angekündigt: Erst kommt eine gute halbe Stunde lang gar kein Wasser mehr, dann nur braunes, und schließlich nur noch kaltes.
Noch bevor um halb 10 der Strom abgestellt wird, fahre ich zum Arbeiten in den South Loop, und als ich nachmittags (mit einem überteuerten To-Go-Kaffee in der Hand) zurückkomme, denke ich, ich müsse nur noch wenige stromlose Stunden überstehen.
Die Stimmung in der Lobby ist gut, das Management verteilt Gratis-Pizza und es heißt, der Strom werde vielleicht schon vor neun wieder angeschaltet.
Was ich nicht bedacht habe:
1) Bei 7 Grad Außentemperatur wird es in einem ungeheizten, auf amerikanische Art isolierten Gebäude irgendwann doch ziemlich kalt.
2) Ab 8 Uhr abends ist es hier schon noch ziemlich dunkel, und mit einer funzeligen Taschenlampe kann man nicht wirklich gut lesen.
3) Aufgeladene Laptop-Akkus helfen wenig, wenn die Telefonanlage und der Router keinen Strom haben und es deshalb kein Internet gibt.
Um neun Uhr abends liege ich mit zwei übereinander angezogenen Pullovern in einem dunklen, kalten Apartment im Bett, auf mir drei Wolldecken und zwei irritierte Katzen. Kein Strom. Auch nicht um zehn.
Um halb 11 entscheide ich mich, nach unten in die Lobby zu fahren, um zu fragen, ob der Strom in absehbarer Zeit wieder eingeschaltet wird (einer der fünf Aufzüge wird mit dem Notstromaggregat betrieben).
Ich bin nicht die einzige mit dieser Idee. Im 34. Stock steigt ein älterer Mann zu, der sagt, er brauche keinen Fernseher und keinen Computer, er wolle einfach nur duschen.
Im 21. Stock kommen noch zwei junge Männer dazu. Der eine sagt, wenn er jetzt einschlafe, habe er nichts, was ihn am nächsten Morgen weckt. Sein Handy-Akku sei fast leer. Der andere hat ein Buch in der Hand: "I have two essays due tomorrow."
Schließlich steigt noch eine alte Frau ein. Sie friert und hat Angst, in ihrer dunklen Wohnung hinzufallen.
Als wir in der Lobby ankommen, ist diese bereits voll mit anderen Hausbewohnern, die sich auf dem Boden niedergelassen haben, weil es dort wärmer ist als in den Apartments und es eine Notbeleuchtung gibt.
Mitarbeiter der Stromgesellschaft sind bereits im Haus und versuchen, das Problem zu beheben. Anscheinend kann man in so einem großen Gebäude nicht einfach einen Schalter betätigen, und der Strom ist wieder da, so wie ich mir das vorgestellt hatte. Es gibt keine Prognose.
Nachdem ich eine Viertelstunde in der Schlange vor dem Lift gewartet habe, um wieder nach oben zu kommen, verkrieche ich mich unter dem Deckenberg und träume von heißem Tee.
Um 4:30 Uhr wache ich auf, weil das Licht angeht. Siebeneinhalb Stunden später als geplant ist der Strom wieder da.
Comments
Wed, 18.11.2009 08:39
cooles Spielzeug, auch wenn das aktuelle Wetter nicht ganz stimm t. Aber auch ein Obama ist nic [ ...]
Mon, 16.11.2009 20:08
bin gerade zufaellig auf deinen blog gestossen. diese verkleidun g ist wirklich... different...
Wed, 28.10.2009 17:00
I read a few topics. I respect y our work and added blog to favor ites.
Mon, 26.10.2009 00:52
Are you a professional journalis t? You write very well.
Tue, 06.10.2009 17:47
Haha, das ist ja krass. Nicht ma l in Spanien, welches man teilwe ise ja schon als deutsche Kolo [ ...]